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Stadtfairkehr Nr. 29 - Winter 2011/12 - Seiite 4

Kein Plan in Nette/Oestrich

Viele Bahnhöfe der S2 sind vernachlässigt: Sie sind verdreckt und verschmiert, Fahrpläne und Uhren fehlen

Im Rahmen des Bahnhofstests ist die S-Bahnlinie S2 insgesamt negativ aufgefallen. Während es positive Beispiele an anderen S-Bahnen gibt, werden Haltepunkte an dieser Linie vielfach vernachlässigt.

Beispielhaft waren die meisten Fahrkartenautomaten und Fahrkartenentwerter verdreckt und verschmiert oder gar defekt. Zwischen Wischlingen und Mengede haben außerdem alle Haltepunkte Mängel bezüglich den vorhandenen Informationen zu Fahrplänen, zur Umgebung oder zur Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln. In Huckarde waren zum Testzeitpunkt kein einziger Aushangfahrplan und kein funktionsfähiger Automat zum Entwerten der Fahrkarten zu finden. Und auch am frisch sanierten (!) Bahnhof Mengede waren weder Uhren noch funktionsfähige Fahrkartenautomaten auf dem Bahnsteig von Gleis 1/2 zu finden. Und von hier aus verbindet immerhin der Regional-Express RE3 Mengede direkt u. a. mit Dortmund Hbf, Hamm und Düsseldorf.

Exemplarisch können die meisten Verbesserungspotenziale am Beispiel des Haltepunkts Nette/Oestrich dargestellt werden. Trotz insgesamt guter Ausgangsbedingungen für einen attraktiven und sicheren Nahverkehr wie der Lage des Haltepunkts und moderner S-Bahn-Fahrzeuge steckt hier viel Potenzial, das nicht genutzt wird. So sind hier die Zugänge zum Bahnsteig an vielen Stellen mit Graffiti verschmiert. Infokästen sind leer und stark beschädigt - an keinem Zugang finden sich damit Informationen zum Fahrplan oder zu den Fahrpreisen.

Auf dem Bahnsteig sind ein Aushangfahrplan sowie ein funktionsfähiger Fahrkartenautomat vorhanden, beides allerdings ebenfalls stark durch Graffiti und Kratzer beschädigt. Die Beschilderung der Gleise wurde verdreht und ein Teil der Namensschilder des Haltepunkts lässt nur noch erahnen, dass hier früher „Dortmund Nette/Oestrich" stand. Aufgesprühte Graffiti wurden zwar entfernt, doch nützt das wenig, wenn dabei die Beschriftung mit entfernt wird. Grundsätzlich positiv: Überdachte Sitzmöglichkeiten sind in ausreichender Zahl vorhanden und gut von der Umgebung einsehbar. Ein Sitz wurde allerdings bereits infolge von Vandalismus entfernt. Zwischen den Sitzreihen sind an mehreren Stellen nur noch Halterungen ehemals vorhandener Glasscheiben erkennbar, die beispielsweise vor Wind schützen könnten. Schlimmer noch: Reste von Glassplittern und scharfe Kanten stellen insbesondere für kleine Kinder eine Gefahr dar.

Von vielen Sitzplätzen aus sind weder die Verspätungsanzeige noch die einzige Bahnhofsuhr erkennbar. Gar nicht vorhanden sind Pläne der Umgebung oder eine Beschilderung zur Bushaltestelle. Dieser liegt zwar nah am S-Bahn-Haltepunkt, allerdings von den Ausgängen nicht erkennbar hinter der nächsten Kreuzung. An der Bushaltestelle fehlen zudem Unterstell- und Sitzmöglichkeiten sowie erhöhte Bordsteine für einen einfachen und barrierefreien Einstieg.

Verbesserungspotenzial besteht auch hinsichtlich der Barrierefreiheit des Haltepunkts. Vom Bahnsteig aus ist der Einstieg in die Züge barrierefrei möglich, der Hauptzugang am nördlichen Ende des Bahnsteigs besteht aber nur aus einer Treppe. Ein Aufzug für ältere und behinderte Menschen ist nicht vorhanden. Der südliche Zugang ist zwar über eine Rampe erreichbar, dort fehlen aber jegliche Hinweise auf die Umgebung und der Zugang vermittelt selbst bei Tageslicht kein Gefühl von Sicherheit. Zudem liegt zwischen beiden Zugängen ein Umweg von etwa 500 Metern. Hinzu kommt, dass die Rampe auf ihrer Gesamtlänge keine Zwischenpodeste hat, auf denen Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Gehhilfen eine Verschnaufpause einlegen könnten. Und wer den Bahnsteig von hier aus erreicht hat, findet Fahrplan und Fahrkartenautomat nur am anderen Ende.

Verbesserungen sollten also auf kurze Sicht im Hinblick auf Beschädigungen, Graffiti, Reisendeninformation und die Beschilderung vorgenommen werden. Zusätzlich müssen die Themen Barrierefreiheit, Integration in das Umfeld und Verknüpfung zu den Buslinien auf die Agenda gesetzt werden.
Christian Lamker


Verschmiert, zerkratzt, beschädigt: der Bahnhof Nette/Oestrich bietet keinen schönen Anblick.
Fotos (2): Lamker

Da muss man (und frau!) durch: Sicherheit wird am barrierefreien Zugang zum S-Bahnhof Nette/Oestrich leider nicht vermittelt.

Stand: 11.12.2011
 
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